Zwischen Anhöhen und Retentionsmulden wächst ein Waldgarten

Wie Barbara und Erich Graf auf La Palma Wasser, Boden und Vegetation wieder miteinander verbinden

Projekte & Systeme · AUTarcaMatricultura · La Palma

Projekt
AUTarcaMatricultura · La Palma
Projektverantwortliche
Barbara Elisabeth Graf und Erich Alfried Graf
Redaktion
Redaktionelle Bearbeitung und ökologische Einordnung: RED – Regenerative Ecosystem Development

Wenn Wasser eine Landschaft zu schnell verlässt

Auf der Westseite der Kanareninsel La Palma liegt das Permakultur-System AUTarcaMatricultura von Barbara und Erich Graf. Was heute stellenweise wie ein dichter, vielschichtiger Waldgarten wirkt, war nach Angaben der beiden über Jahrzehnte eine vernachlässigte Hanglandschaft mit verdichteten Böden, geringer Vegetationsdecke und entsprechend ungünstigen Voraussetzungen für die Rückhaltung von Niederschlagswasser. [P1]

Seit 2007 entwickeln Barbara und Erich dort auf rund 40.000 Quadratmetern einen Praxis-, Lern- und Erfahrungsraum für Permakultur.[P1][P2] Ihr Ansatz besteht nicht darin, ein einzelnes Element zu optimieren. Wasserführung, Boden, Pflanzen, Tiere, Wege, Nutzung und menschliche Arbeit werden als Bestandteile eines zusammenhängenden Systems betrachtet.

Eines der sichtbarsten Gestaltungselemente dieser Landschaft sind Swales.

Der englische Begriff wird im Deutschen häufig mit „Sickermulde“ übersetzt. Für das bei AUTarcaMatricultura entstandene System greift diese Bezeichnung jedoch zu kurz. Denn die Mulde ist nur eine Hälfte der Struktur.

Treffender lässt sich hier von einem Hügel-Retentionsmuldensystem entlang der Höhenlinien sprechen.

Links: frisch angelegte, wassergefüllte Retentionsteiche, kombiniert mit Swales. Rechts: der dicht bewachsene, mehrschichtige Waldgarten am Küstenhang.
Links: frisch angelegte, wassergefüllte Retentionsteiche, kombiniert mit Swales. Rechts: der dicht bewachsene, mehrschichtige Waldgarten am Küstenhang. Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Eine Mulde allein ist noch kein Swale-System

Beim Anlegen der Swales wird der Boden entlang einer Höhenlinie ausgehoben. Dadurch entsteht eine langgezogene Retentionsmulde. Das ausgehobene Bodenmaterial wird unmittelbar daneben zu einer erhöhten Geländestruktur aufgebaut.

Gerade diese Anhöhe ist bei AUTarcaMatricultura keine nebensächliche Folge des Aushubs, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Systems. Barbara und Erich nutzen die gesamte entstandene Anhöhe als Pflanzfläche.[P1] Dadurch entsteht zusätzlicher Wurzelraum mit unterschiedlichen Feuchte-, Licht- und Expositionsbedingungen.

Retentionsmulde + Anhöhe + Wasser + Boden + Wurzeln + Vegetation.

Erst ihr Zusammenspiel macht verständlich, weshalb sich diese zunächst technische Geländestruktur mit den Jahren grundlegend verändern kann.

Die Entwicklung vom degradierten Land hin zur fruchtbaren Oase
Die Entwicklung vom degradierten Land hin zur fruchtbaren Oase Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Dem Wasser Zeit geben

Auf einer Hangfläche besitzt Regenwasser potenzielle Energie. Fällt Niederschlag schneller an, als der Boden ihn aufnehmen kann, oder ist der Boden bereits weitgehend gesättigt, entsteht Oberflächenabfluss. Mit zunehmender Fließgeschwindigkeit können Feinmaterial, organische Substanz und Bodenpartikel mitgeführt und hangabwärts verlagert werden.

Das Hügel-Retentionsmuldensystem unterbricht diesen direkten Weg.

Die Mulden folgen weitgehend den Höhenlinien. Wasser, das den Hang hinunterfließt, wird dadurch abgebremst und vorübergehend zurückgehalten. Statt sich an wenigen Abflussbahnen zu konzentrieren, erhält es mehr Zeit, sich entlang der Struktur zu verteilen und in den angrenzenden Boden einzudringen.

Der entscheidende Vorgang ist damit zunächst nicht die Erzeugung zusätzlichen Wassers, sondern eine Veränderung seiner Verweilzeit und seines Weges durch die Landschaft.

Bei AUTarcaMatricultura beobachten Barbara und Erich, dass sich das Wasser aus den Mulden nicht lediglich senkrecht nach unten bewegt, sondern insbesondere auch in und unter die lockeren, zunehmend durchwurzelten Anhöhen eindringt. Die Anhöhen verstehen sie deshalb ausdrücklich nicht als Wasserdämme.[P1]

Für größere Wassermengen besitzt das Projekt zusätzlich ein anderes Element: Über 20 separat angelegte Retentionsteiche mit regulären Überläufen und Notüberläufen. Die Funktion dieser Teiche ist von jener der bepflanzten Anhöhen zu unterscheiden.[P1]

Ein frisch angelegter Retentionsgraben (Swale) hält Niederschlagswasser am Hang zurück und versorgt die jungen Gehölze.
Ein frisch angelegter Retentionsgraben (Swale) hält Niederschlagswasser am Hang zurück und versorgt die jungen Gehölze. Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Aus Erdbewegung wird Wurzelraum

Unmittelbar nach der Anlage sieht ein Swale zunächst nach Erdarbeit aus.

Doch für Barbara und Erich beginnt genau dort die biologische Entwicklung.

Der zuvor verdichtete oder stark verfestigte Boden wird beim Anlegen der Strukturen aufgebrochen und belüftet. Die neu entstandenen Anhöhen werden bepflanzt, zunächst vorwiegend mit einheimischen Arten. Unterschiedliche Pflanzen erschließen anschließend unterschiedliche Bereiche des Bodenprofils.

Bodendecker schützen die Oberfläche. Krautige Pflanzen und Gräser erschließen den oberflächennahen Raum. Sträucher bilden weitere Vegetationsschichten, während Bäume zunehmend tiefere Bodenbereiche durchwurzeln.

Damit entsteht etwas, das ein Bagger allein niemals herstellen könnte: ein lebender Wurzelraum.

Wurzeln verändern die Struktur des Bodens. Sie erzeugen und nutzen Poren, versorgen die Rhizosphäre mit kohlenstoffreichen Verbindungen und stehen in enger Beziehung zu Bakterien, Pilzen und zahlreichen Bodentieren.

Abgestorbene Wurzeln, Streu und andere Pflanzenreste werden Teil dieses Nahrungsnetzes.

Langfristig stabilisierte organische Bodensubstanz entsteht nicht allein durch das Einbringen organischen Materials, sondern durch biologische, physikalische und chemische Prozesse im Boden.

Ein lebendiges System entwickelt die Voraussetzungen dafür, Kohlenstoff fortlaufend in den Boden einzubringen, biologisch zu verarbeiten und einen Teil davon längerfristig zu stabilisieren.

Die Vorbereitungen zur Pflanzung der Gehölze an den richtigen Standorten wurden getroffen
Die Vorbereitungen zur Pflanzung der Gehölze an den richtigen Standorten wurden getroffen Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Vom Wasserreservoir zum lebenden „Schwamm“

Barbara und Erich beschreiben einen wichtigen zeitlichen Unterschied zwischen einem frisch angelegten Swale und einem über viele Jahre entwickelten Waldgartensystem.

Am Anfang hält die Geländestruktur Wasser zurück und verändert dessen Verteilung.

Mit zunehmender Durchwurzelung verändert sich jedoch der Boden selbst.

Die Dichte an Wurzeln nimmt zu. Pilzmyzel durchzieht Teile des Bodenraumes. Organische Substanz wird umgesetzt. Poren entstehen und verändern sich. Vegetation beschattet die Oberfläche und reduziert extreme Temperaturschwankungen.

Der Boden wird dadurch zunehmend Teil eines durchwurzelten Speichersystems, das Wasser aufnimmt, im Porenraum zurückhält, räumlich verteilt und biologisch nutzt.

Barbara und Erich sprechen deshalb vom entstehenden Boden als einem immer größer werdenden „Schwamm“.[P1]

Ein Swale ist nicht deshalb interessant, weil nach einem Regen Wasser in einer Mulde steht.

Interessant wird er dort, wo die anfängliche Veränderung der Wasserbewegung biologische Entwicklung ermöglicht.

Wasser ermöglicht Pflanzenwachstum. Pflanzen erzeugen Wurzeln. Wurzeln verändern den Boden. Bodenorganismen erschließen neue Nahrungsquellen. Vegetation erzeugt Schatten und Streu. Neue Mikrohabitate entstehen.

Die technische Struktur schafft den Ausgangsraum – der lebendige Prozess verändert ihn weiter.

Neu angelegtes Rückhaltebecken am Hang und die spätere Entwicklung zu dichter, mehrschichtiger Vegetation.
Neu angelegtes Rückhaltebecken am Hang und die spätere Entwicklung zu dichter, mehrschichtiger Vegetation. Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Achtmal mehr Waldgarten mit derselben zusätzlichen Wassermenge

Eine besonders bemerkenswerte Langzeitbeobachtung betrifft den zusätzlichen Bewässerungsbedarf.

Nach Angaben von Barbara und Erich kann AUTarcaMatricultura heute mit derselben Menge an zusätzlichem Gießwasser ungefähr die achtfache Waldgartenfläche versorgen wie die ursprünglich vorhandene Avocado-Monokulturfläche vor rund zwei Jahrzehnten.[P1]

Sie führen diese Entwicklung nicht auf einen einzelnen Effekt zurück. Neben dem Rückhalt des Niederschlagswassers nennen sie die zunehmende Durchwurzelung des Bodens und die Erschließung tieferer Wasserreserven durch Gehölze.

Auch bei einheimischen Bäumen und Sträuchern machten sie die Erfahrung, dass nach einer mehrjährigen Anwuchsphase teilweise keine zusätzliche Bewässerung mehr erforderlich war.[P1]

Solche Angaben sind Langzeitbeobachtungen dieses konkreten Projekts. Gerade darin liegt ihr Wert: Sie dokumentieren, welche Entwicklung unter den konkreten Bedingungen von AUTarcaMatricultura über viele Jahre beobachtet wurde.

Ob die ergriffenen Maßnahmen zum Standort gepasst haben, das zeigt die Resonanz.
Ob die ergriffenen Maßnahmen zum Standort gepasst haben, das zeigt die Resonanz. Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Die Anhöhe schafft ökologische Unterschiede

Eine ebene Fläche bietet Pflanzen vergleichsweise ähnliche topografische Ausgangsbedingungen.

Eine Anhöhe neben einer Retentionsmulde verändert diese Geometrie.

Plötzlich entstehen auf engem Raum verschiedene Standorte:

  • eine stärker sonnenexponierte Oberseite
  • unterschiedlich ausgerichtete Böschungen
  • eine zeitweise feuchtere Retentionsmulde
  • geschütztere Bereiche
  • tiefer und flacher durchwurzelte Zonen

Mit zunehmender Vegetationshöhe werden diese Unterschiede weiter verstärkt. Schatten wandert über die Fläche. Wind wird gebremst. Laub sammelt sich an verschiedenen Stellen. Pflanzen verändern Temperatur und Luftfeuchtigkeit unmittelbar in ihrer Umgebung.

Aus einer zunächst einfachen Erdform entsteht dadurch eine Vielzahl kleiner Mikrohabitate.

Gerade in einem Waldgarten können solche Übergangszonen ökologisch wertvoll sein, weil unterschiedliche Pflanzen, Pilze, Tiere und Mikroorganismen unterschiedliche Bedingungen nutzen.

Die Stärke des Systems liegt deshalb nicht nur im Wasserrückhalt.

Es schafft Raum für Vielfalt.

Die Retentionsmulde ist gleichzeitig Weg

Bei AUTarcaMatricultura erfüllen die Mulden noch eine weitere Funktion: Sie werden teilweise als Wege genutzt.

Es stellt sich selbstverständlich die Frage, ob die Nutzung der Retentionsmulden als Wege zu einer Verdichtung des Bodens führt. Eine gewisse Verdichtung der Wegoberfläche ist in diesem System jedoch nicht zwangsläufig unerwünscht. Sie kann dazu beitragen, dass Niederschlagswasser nicht unmittelbar an der Oberfläche der Mulde versickert, sondern länger zurückgehalten wird und anschließend seitlich beziehungsweise unter die bepflanzten Anhöhen gelangt.[P1]

Nicht jeder Quadratmeter eines regenerativen Systems muss dieselbe Funktion maximieren.

Der Weg muss nicht der Bereich mit der höchsten Infiltrationsleistung sein, wenn seine Funktion darin besteht, Wasser aufzunehmen, zu führen und den angrenzenden Wurzelräumen länger verfügbar zu machen.

Die Wege verbinden bei AUTarcaMatricultura zudem unterschiedliche Elemente der Wasserlandschaft. Niederschlag kann in Swales, Kratergärten, Retentionsbecken oder – bei entsprechend angelegten Wegen – in Zisternen gelenkt werden.[P1]

Aus einem vermeintlichen Nutzungskonflikt zwischen „Weg“ und „Wassersystem“ entsteht damit eine Mehrfachfunktion.

Schmale Wege führen durch den dicht bewachsenen Waldgarten mit seinen unterschiedlichen Vegetationsschichten.
Schmale Wege führen durch den dicht bewachsenen Waldgarten mit seinen unterschiedlichen Vegetationsschichten. Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Vom Aufbau zur Pflege eines kultivierten Ökosystems

Regeneration bedeutet bei AUTarcaMatricultura nicht, dass der Mensch irgendwann vollständig aus dem System verschwindet.

Barbara und Erich beschreiben vielmehr eine Veränderung seiner Aufgabe.

Am Anfang stehen Planung, Erdarbeiten, Pflanzung und intensive Begleitung. Mit zunehmender Etablierung wächst die Vegetation, Wurzeln stabilisieren den Boden und biologische Prozesse übernehmen immer mehr Funktionen.

Gleichzeitig steigt jedoch auch die Produktivität des Waldgartens.

Die menschliche Arbeit verschwindet deshalb nicht – sie verändert sich.

Aus Aufbauarbeit werden Beobachtung, gezielte Pflege, weitere Pflanzung, Ernte und Nutzung der Produkte eines sich zunehmend etablierenden kultivierten Ökosystems.

Auch nach mehr als zehn Jahren bepflanzen Barbara und Erich ihre Swale-Bereiche nach eigenen Angaben weiterhin mit zusätzlichen Sträuchern und Bäumen.[P1] Sie verstehen Sukzession damit nicht als abgeschlossenen Zustand, sondern als fortlaufende Verdichtung und Differenzierung des Systems.

Ein schmaler Pfad führt durch den dicht bewachsenen, mehrschichtigen Waldgarten mit fruchttragenden Gehölzen, Kräutern und Blühpflanzen.
Ein schmaler Pfad führt durch den dicht bewachsenen, mehrschichtigen Waldgarten mit fruchttragenden Gehölzen, Kräutern und Blühpflanzen. Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Eine Landschaft, die auch Feuer anders begegnet

Die Gestaltung der Swale-Landschaft besitzt bei AUTarcaMatricultura noch eine weitere bewusst entwickelte Funktion: den Feuerschutz.

Dieser entsteht nicht allein dadurch, dass eine Retentionsmulde vorhanden ist.

Barbara und Erich kombinierten die Geländestruktur gezielt mit Vegetation geringer Brandlast und entwickelten auf diese Weise grüne Schutzbereiche innerhalb ihres Systems.

Wie relevant diese Gestaltung werden kann, zeigte sich im Juli 2023, als ein großer Flächenbrand aus Richtung Puntagorda auf AUTarcaMatricultura zukam.

Nach ihrem Bericht erreichte das Feuer das Gelände von drei Seiten über angrenzende brachliegende Terrassen. Innerhalb der gestalteten Swale-Landschaft konnte es kontrolliert werden; in den Retentionsmulden kam seine weitere Ausbreitung schließlich zum Stillstand.[P1]

Damit wurde der Feuerschutz für Barbara und Erich zu einer konkreten Erfahrung ihres Systems.

Nicht die Form kopieren – die Landschaft lesen

So eindrucksvoll die Entwicklung auf La Palma ist: Ein Hügel-Retentionsmuldensystem ist keine starre Bauanleitung.

Seine besondere Stärke entsteht dort, wo Wasser aufgrund einer Hanglage die Landschaft zu schnell verlässt und durch eine Veränderung des Mikroreliefs sinnvoll verlangsamt und verteilt werden kann.

Auf weitgehend ebenem Gelände stellen sich andere Anforderungen an die Wasserretention. Ebenso müssen Boden, Geologie, vorhandene Vegetation und die Stabilität des Geländes in die Planung einbezogen werden.

Auch Barbara und Erich passen ihre Swales an vorhandene Vegetation an. Bei bestehenden Bäumen kann beispielsweise eine Mulde vor dem Wurzelbereich enden und dahinter wieder aufgenommen werden, statt große bestehende Wurzeln zu beschädigen.[P1]

Nicht der Standort wird einer Methode angepasst.

Die Methode wird aus dem Standort entwickelt.

Was die Langzeitentwicklung sichtbar macht

Vorher-Nachher-Aufnahmen von AUTarcaMatricultura zeigen eine bemerkenswerte Veränderung.

Auf einer lange vernachlässigten Hangfläche konnte sich über Jahre hinweg eine dichte und mehrschichtige Vegetation entwickeln. Die zunächst deutlich sichtbaren Erdarbeiten verschwanden immer stärker unter Wurzeln, Pflanzen, Streu und Kronen.[P1][P3]

Die Bildserie dokumentiert diese Entwicklung über lange Zeit, ohne die daran beteiligten Prozesse künstlich voneinander zu trennen.

Genau darin liegt eine besondere Stärke dieser Dokumentation.

Barbara und Erich beschreiben ihren Ansatz selbst treffend:

Sie dokumentieren, was sie getan haben, weshalb sie es getan haben und was sie anschließend über viele Jahre beobachtet haben.[P1] Die ökologische Einordnung kann diese Erfahrungen ergänzen und Zusammenhänge sichtbar machen, ohne die Beobachtungen des konkreten Systems durch allgemeine Annahmen zu ersetzen.

Der Kontrast vom offenen Terrassengarten bis hin zum dichten, mehrschichtigen Waldgarten ist atemberaubend
Der Kontrast vom offenen Terrassengarten bis hin zum dichten, mehrschichtigen Waldgarten ist atemberaubend Bildmaterial: AUTarcaMatricultura

Der Mensch gibt einen Impuls – das Leben vervielfacht ihn

Vielleicht lässt sich die Entwicklung bei AUTarcaMatricultura am besten verstehen, wenn man den Swale nicht als fertiges Bauwerk betrachtet.

Am Anfang steht eine menschliche Entscheidung:

Der Weg des Wassers wird verändert.

Aus dieser zunächst kleinen Veränderung entstehen weitere Möglichkeiten.

Wasser bleibt länger in der Landschaft.

Wurzeln erschließen neue Räume.

Vegetation schützt den Boden.

Photosynthese führt kontinuierlich neuen Kohlenstoff in das System.

Pilze, Bakterien und Bodentiere verarbeiten organisches Material.

Bodenstruktur verändert sich.

Schatten entsteht.

Mikroklimata differenzieren sich.

Tiere finden Nahrung und Lebensraum.

Pflanzen besetzen neue Nischen.

Was als Erdbewegung beginnt, kann dadurch mit der Zeit zu etwas werden, das kaum noch wie ein technisches Bauwerk aussieht.

Der Swale verschwindet gewissermaßen in dem System, dessen Entwicklung er mit angestoßen hat.

Genau darin liegt aus Sicht von RED die besondere Bedeutung des Projekts von Barbara und Erich Graf:

Nicht die Retentionsmulde regeneriert die Landschaft.

Sie schafft unter geeigneten Standortbedingungen Raum und Zeit für Prozesse, aus denen Regeneration entstehen kann.

Und auch die Anhöhe ist nicht einfach aufgeschüttete Erde. Mit zunehmender Durchwurzelung wird sie zu einem differenzierten Lebensraum, der Wasser, Sauerstoff, Mineralboden, Pflanzen und Bodenorganismen miteinander verbindet.

Aus einer technischen Struktur wird ein biologischer Prozess.

Aus einzelnen Pflanzen entwickelt sich ein Waldgarten.

Und aus dem ersten menschlichen Eingriff entstehen unzählige weitere Wechselwirkungen, die kein Mensch einzeln planen könnte.

Der Mensch gibt den ersten Impuls – die Natur antwortet mit unzähligen weiteren.

Über AUTarcaMatricultura

Mit den Worten von Barbara und Erich Graf endet dieser Beitrag. Die Entwicklung von AUTarcaMatricultura kommt niemals zum Stillstand.

Mehr über Barbara und Erich Graf und AUTarcaMatricultura

Filmhinweis: „SWALES – Heilmassage für Mutter Erde“ [P4]

Redaktioneller Transparenzhinweis

Dieser Beitrag verbindet zwei bewusst getrennte Erkenntnisebenen:

Die projektspezifischen Erfahrungen und Beobachtungen stammen von Barbara und Erich Graf beziehungsweise AUTarcaMatricultura. Sie werden im Fließtext als solche dargestellt und mit [P] = Projektquelle gekennzeichnet.

Die ökologische Einordnung durch RED ist im Beitrag optisch als RED-Einordnung abgesetzt. Die dazugehörige wissenschaftliche Literatur ist mit [S] = Science / wissenschaftliche Quelle gekennzeichnet.

Damit bleiben Erfahrungswissen des konkreten Projekts und die ergänzende wissenschaftliche Einordnung voneinander unterscheidbar, ohne sie gegeneinander auszuspielen.

Der Bericht dokumentiert ein über viele Jahre entwickeltes reales System. Die Erfahrungen von AUTarcaMatricultura werden dabei standortbezogen dargestellt und nicht als starre Bauanleitung verallgemeinert.

Denn regenerative Entwicklung beginnt nicht mit dem Kopieren einer Methode.

Sie beginnt mit dem Lesen des Standorts.

Quellen

Projektquellen

[P1] Barbara Elisabeth Graf & Erich Alfried Graf · AUTarcaMatricultura: Schriftliche Korrespondenz und redaktionelle Abstimmung mit RED im Rahmen der Erstellung dieses Beitrags, 2026.

[P2] AUTarcaMatricultura: Offizielle Projektwebsite. Angaben zu Barbara und Erich Graf, Projektbeginn 2007, Permakultur-System, Waldgartenentwicklung, Bildungs- und Forschungsarbeit. https://www.matricultura.org/

[P3] AUTarcaMatricultura: Telegram-Kanal „Permaculture La Palma“ mit fortlaufender Praxisdokumentation, Bildern, Texten und Projektbeiträgen. https://t.me/PermacultureLaPalma

[P4] AUTarcaMatricultura: „Wie Swales eine degradierte Landschaft in einen lebendigen Waldgarten verwandeln“ sowie „SWALES – Heilmassage für Mutter Erde“, ursprünglicher Projektbeitrag und weiterführende Dokumentation. https://t.me/PermacultureLaPalma/273

Wissenschaftliche Literatur zur RED-Einordnung

[S1] Mondaca, P. et al. (2024): Contour furrowing reduces erosion and enhances soil moisture on semiarid hillslopes. Geoderma Regional 38, e00826.

[S2] Singh, G., Mishra, D., Singh, K. & Parmar, R. (2013): Effects of rainwater harvesting on plant growth, soil water dynamics and herbaceous biomass during rehabilitation of degraded hills in Rajasthan, India. Forest Ecology and Management 310, 612–622.

[S3] Daynes, C. N. et al. (2013): Development and stabilisation of soil structure via interactions between organic matter, arbuscular mycorrhizal fungi and plant roots. Soil Biology and Biochemistry 57, 683–694.

[S4] Sokol, N. W., Sanderman, J. & Bradford, M. A. (2019): Pathways of mineral-associated soil organic matter formation: Integrating the role of plant carbon source, chemistry, and point of entry. Global Change Biology 25, 12–24.

[S5] Lange, M. et al. (2015): Plant diversity increases soil microbial activity and soil carbon storage. Nature Communications 6, 6707.

[S6] Minasny, B. & McBratney, A. B. (2018): Limited effect of organic matter on soil available water capacity. European Journal of Soil Science 69, 39–47.

[S7] Shi, X. et al. (2021): A meta-analysis on effects of root development on soil hydraulic properties. Geoderma 403, 115363.

[S8] Bennie, J. et al. (2008): Slope, aspect and climate: Spatially explicit and implicit models of topographic microclimate in chalk grassland. Ecological Modelling 216, 47–59.

[S9] The global drivers of wildfire (2024): Übersicht zu den Wechselwirkungen von Vegetation, Brennstoffkontinuität, Feuchte, Klima und Topografie bei Landschaftsbränden. Frontiers in Environmental Science.